Stadtnachricht

Kleine Festung Europa

Ausstellung von Reinhold Ulmschneider im Alten Rathaus und Stadtmuseum

"Meine Sorge ist, dass Europa als Wertbegriff an den ersten ernstzunehmenden Herausforderungen des neuen Jahrtausends zerbricht. Das hätte es nicht verdient", so Reinhold Ulmschneider im begleitenden Flyer zur Ausstellung. "Meine Arbeiten in dieser Ausstellung versammeln sich rund um diese Idee, konkret deutlich, zumeist aber metaphorisch getarnt."

"Sie sind Ur-Rottweiler und haben unter anderem die historischen und die zeitgenössischen Türme unserer Stadt in viele Ihrer Werke einbezogen. Dabei arbeiten Sie mit Fundstücken,  mit Wellpappe und Naturmaterialien. Und Sie verarbeiten es meisterhaft", sagte OB Ralf Broß bei der Ausstellungseröffnung zu Reinhold Ulmschneider.

Der Rottweiler Künstler benutzte lange ausschließlich den Zeichenstift, den er anlassbezogen intensiv einsetzte und wieder jahrelang völlig zurückhielt. Vor wenigen Jahren fand er zum plastischen Arbeiten, was seine gegenwärtige Phase beherrscht. Die Bildsprache ist unüberseh bar die Welt der Architektur, die eine fast untrennbare Symbiose mit der Natur eingeht.

Sein Hauptmaterial ist banaler Verpackungskarton, der eine virtuose Verwandlung und Veredelung erfährt und sich mit ausgemusterten Naturmaterialien wie Rinde, Wurzeln, Sand und Pflanzenfossilien harmonisch und kontrastreich zugleich paart. So entstehen Miniaturen, die zu Bühnen und Kulissen werden für Erlebnisräume bei Künstler und Betrachter, die blitzartig aus der Alltagswahrnehmung entführen können.

„Hinter den Kulissen fängt das Theater doch erst an“, ist sein markanter Satz, Begründung und Verschleierung zugleich. Was vordergründig schnell romantische Bilder zu bieten scheint, entpuppt sich aber als sympathische oder schockierende Falle, denn hinter schönem Schein stehen oft nüchterne Alltagsfakten aus Politik und Gesellschaft, die zu Ängsten, Zorn, Ironie und Spott veranlassen.

Auch literarische Quellen bilden Hintergründe, vom Alten Testament und antiker Mythologie über den Turm zu Babel als Metapher zu den Selbstbehauptungstürmen unserer Zeit. Bei den Objekten ist der Bogen geschlagen von lauernden Kerkern zu lockenden Wallfahrten, fragenden Türmen und stummen Mausoleen: „Aus Ritzen, Spalten und Klüften tropft es, aber zu gleichmäßig, um nicht beunruhigt zu sein“. Woher er das habe? Zwischen hohen Türmen, knarrenden Kirchenbänken, Bahn- und Friedhöfen und feuchten römischen Hypocaustenkammern aufgewachsen, geht das wohl nicht anders. Surreale Kinderstube überall!

Öffnungszeiten & Eintritt:
Altes Rathaus: Mo., Di., Mi. 8.30 bis 16 Uhr Do. 8.30 bis 18.30 Uhr Fr. 8.30 bis 12.30 Uhr; Stadtmuseum: Di. bis So., 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung Eintritt: Altes Rathaus: frei Stadtmuseum: 2 €, bis 18 Jahre frei.





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