Stadtnachricht

Kultur trifft Digital: Vom Wollknäuel zur „Augmented Reality“

Initiative der Stadtbücherei: Medienpädagogin lotet mit Jugendlichen vielfältige kreative Möglichkeiten aus

Die Medienpädagogin Britta Senn leitete eine Viertägige Workshopreihe „Kultur trifft Digital“ in Rottweil (Foto: Henrike Schneider).Die Medienpädagogin Britta Senn leitete eine Viertägige Workshopreihe „Kultur trifft Digital“ in Rottweil (Foto: Henrike Schneider).

„Kultur trifft Digital" ist eine Initiative der Stiftung Digitale Chancen innerhalb des von der Bundesregierung geförderten Programms „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung". Die Stadtbücherei Rottweil hatte sich um eine Förderung aus den Mitteln der Stiftung beworben und gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendreferat als Bündnispartner die Zusage erhalten. Britta Senn ist freie Medienkonzepterin, medienpädagogische Workshoptrainerin und Journalistin. Sie war nun als Trainerin im Kapuziner zu Gast, wo die Workshops in den Räumen des Kinder- und Jugendreferats stattfanden.Sophia Miller (Mitarbeiterin der Stadtbücherei) hat mit ihr gesprochen.

Sophia Miller: Smartphones, Tablets, Laptops… – uns hat in der Bücherei in der letzten Woche eine Menge Technik erreicht, die für die Durchführung der Workshops gebraucht wurde. Inwiefern machen die Veranstaltungen, die Du im Auftrag der Stiftung Digitale Chancen durchführst, Kinder und Jugendliche „stark"?

Britta Senn: Es geht nicht darum, die Technik zu feiern. Allem voran soll den Teilnehmenden die Möglichkeit zum Ausprobieren gegeben werden. Wenn in Partner- oder Gruppenarbeit Ideen entstehen und neue Wege zum Ziel gefunden werden – etwa beim Programmieren –, stärkt das Kinder und Jugendliche auf ganz unterschiedliche Weise. Der Hauptantrieb ist, etwas selbst gestalten zu können. Wir nutzen also ganz einfach die Neugier und den Wunsch nach Mitbestimmung, Teil des großen Ganzen – zum Beispiel des Internets – zu sein. Und damit einher geht dann auch die Einsicht, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, womit wir bei Demokratiebildung angelangt sind. Damit sind die Kompetenzen beschrieben, die das 4K-Modell für das Lernen im 21. Jahrhundert nennt: Kommunikation, Kreativität, Kollaboration, kritisches Denken. Aber zurück...

Sophia Miller: Angebote aus den Bereichen Coding, Robotik oder Gaming bestehen mittlerweile in den meisten Bibliotheken. Mal ketzerisch gefragt: Welche Berechtigung haben immer neuere digitale Medien in einer „Bücherei"?

Britta Senn: Der Medienbegriff in Bibliotheken wird ja seit Jahren geweitet. Waren es zunächst die so genannten „neuen Medien", so sind an vielen Orten auch Alltagsgegenstände mit oder ohne technischen Bezug hinzugekommen, die per Ausleihe und Rückgabe kollektiv genutzt werden, womit Erfahrungsaustausch und Nachhaltigkeitssaspekte gefördert werden. Auch kleine und mittelgroße Büchereien bleiben dabei Wissensorte, in denen Bildung und Unterhaltung zusammenkommen und verknüpft werden, deren Türen offen stehen für alle Bürgerinnen und Bürger, wo die Hürden niedrig gehalten werden, Teilhabe an den neuesten Entwicklungen möglich ist, wo jede und jeder sich Wissen verschaffen und damit Verantwortung übernehmen kann. Die digitalen Medien werden oft in erster Linie mit reiner Unterhaltung in Verbindung gebracht Bei der Durchführung meiner Workshops ist mir wichtig, den Spaß nicht zu kurz kommen zu lassen, aber gleichzeitig spielt das Lernen natürlich eine große Rolle. Denn Technologien, die in sämtlichen Lebensbereichen Eingang finden, müssen verstanden werden.

Sophia Miller: Digitale Bildung hat ja auch in der letzten Zeit einen sehr hohen Stellenwert erhalten. Gleichzeitig ist die Sorge vor digitaler Überfrachtung groß. Was ist für dich bei deiner Arbeit als Medienpädagogin derzeit die größte Herausforderung? Welche Veränderungen wünschst du dir in der Medienbildung?

Britta Senn: Mehr Geld (lacht) …für geschultes Personal. Die extremen Wandlungen, die wir medial gerade durchlaufen, sind in den Bildungsplänen noch nicht ausreichend enthalten. Hinzu kommt die Unterversorgung der Bildungseinrichtungen mit Lehrkräften, die medienpädagogisch geschult sind. In allen Bereichen wünsche ich mir, dass der Umgang mit Medien zu Grundfertigkeiten gezählt wird. Genauso wie Kindern etwa das Zähneputzen beigebracht wird, sollte beispielsweise auch darüber gesprochen werden, welchen digitalen Fußabdruck wir im Netz hinterlassen, und warum.

Sophia Miller: Zum Schluss hierzu eine Frage, die vielen unter den Nägeln brennt: Was empfiehlst du Erziehenden hinsichtlich Mediennutzung und -konsum im Alltag?

Britta Senn: Diese Frage kann ich leider nicht allgemeingültig beantworten. Selbst wenn man konkretisiert, und beispielsweise fragt: „Eigenes Smartphone ab welchem Alter?“, so sind je nach Umfeld und Situation die Möglichkeiten, die Notwendigkeiten, die Bedürfnisse andere. Wichtig ist das Miteinander, und vor allem auch, was wir Erwachsene bei unserem eigenen Umgang mit Medien vorleben…

Sophia Miller: Herzlichen Dank für die spannenden Workshoptage und das Gespräch!