Stadtnachricht

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Rottweil

Besuch im Rahmen der „Ortszeit Deutschland“ / erste Station in Westdeutschland

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Rottweil zu GastDer Bundespräsident am Dienstag beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Rottweil im Alten Rathaus (Foto: Sebastian Glück).

Anfang des Jahres hatte der Deutsche Städtetag unter seinen Mitgliedsstädten einen Aufruf gestartet, sich für das neue Format „Ortszeit Deutschland“ zu bewerben. Auf Rottweil fiel die Wahl laut Bundespräsidialamt, weil die Stadt gute Beispiele für ein fruchtbares Zusammenwirken von Zivilgesellschaft und kommunaler Politik bereithält – zu nennen sind etwa Projekte wie die neue Justizvollzugsanstalt, der TK Elevator Testturm, die Fußgänger-Hängebrücke oder die Landesgartenschau 2028  – aber auch, weil es hier immer noch Proteste gegen die Politik zur Bekämpfung der Pandemie gibt, die sich auf das Zusammenleben vor Ort auswirken.

Kurz nach seiner Ankunft sagte der Bundespräsident: "Rottweil liegt relativ weit weg von Berlin, dafür näher an der Schweiz und an Frankreich. Schon deshalb glaube ich werden hier manche Perspektiven auf die Politik anders sein als wir sie in Berlin kennen. Rottweil ist eine Stadt zwischen Geschichte und Moderne, eine Stadt, die ihre Traditionen pflegt, aber auch für Neues aufgeschlossen ist. Mich interessiert, wie man hier mit neuen Herausforderungen umgeht und wie man Konflikte löst. All das interessiert mich und hat mich veranlasst, Rottweil als dritte Station der Ortszeit auszuwählen."

Empfang am Schwarzen Tor (Foto: Stadt Rottweil / Sebastian Glück)OB Ralf Broß begrüßte den Bundespräsidenten am Schwarzen Tor (Foto: Graner Photodesign / Sebastian Glück).

„Der Besuch des Bundespräsidenten ist eine große Ehre für Rottweil. Die Menschen haben hier in den vergangenen Jahren leidenschaftlich über die Zukunft ihrer Stadt diskutiert. Verschiede Formate der Bürgerbeteiligung aber auch zwei Bürgerentscheide haben dazu beigetragen, gesellschaftliche Konflikte zu befrieden“, so Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß. „Der Bundespräsident kann aus Rottweil sicherlich ermutigende Beispiele bürgerschaftlichen Engagements und neue Ideen mitnehmen, wie wir unsere Demokratie fit für die Zukunft machen können.“

Der Bundespräsident begann am Dienstagmittag seinen Aufenthalt in Rottweil am Schwarzen Tor, das durch den Rottweiler Narrensprung weltweit bekannt ist. Anschließend folgten der Eintrag ins Golden Buch der Stadt und der Besuch der neuen Synagoge. Am Nachmittag standen die Holzmanufaktur im Gewerbepark Neckartal und der 246 Meter hohen TK Elevator Testturm auf dem Besuchsprogramm.

TK Elevator Testturm: Aussichtsplattform  (Foto: Stadt Rottweil / Sebastian Glück)Am Dienstagnachmittag besuchte der Bundespräsident den TK Elevator Testturm und Deutschlands höchste Besucherplattform in 232 Metern Höhe. (Foto: Graner Photodesign / Sebastian Glück).

Der Besuch Steinmeiers ist der erste Besuch eines amtierenden Bundespräsidenten in der Stadt am Oberen Neckar. Zuvor waren die Alt-Bundespräsidenten Theodor Heuss (1960) und Joachim Gauck (2019) zu Gast. Als ehemalige Reichsstadt kann Rottweil jedoch auf eine beachtliche Liste hochrangiger Besuche im Mittelalter zurückblicken. Nach aktuellem Stand der Forschung dürfte der Habsburger König und spätere Kaiser Maximilian I im Jahre 1507 das bis dato letzte deutsche Staatsoberhaupt in Rottweil gewesen sein. Broß: „Die deutschen Herrscher des Mittelalters waren Reisekönige. Das Konzept der ,Ortszeit‘ mit Verlegung des Amtssitzes des Bundespräsidenten greift damit eine uralte deutsche Tradition auf, die uns in Rottweil aus unserer Geschichte bestens vertraut ist.“

Besuch des Wochenmarkts (Foto: Graner Photodesign / Sebastian Glück)Auch am Mittwoch nahm sich Steinmeier beim Besuch des Wochenmarkts viel Zeit für Kontakt zu den Bürgern (Foto: Graner Photodesign / Sebastian Glück).

Am Mittwoch besuchte der Bundespräsident unter anderem die Rottweiler Narrenzunft und das Forum Kunst.  Viel Zeit nahm sich Steinmeier auf dem Rottweiler Wochenmarkt für Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Am Nachmittag suchte das Staatsoberhaupt im Rahmen der „Kaffeetafel kontrovers“ das Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern über steigende Lebenshaltungskosten, Mobilität im ländlichen Raum und das Zusammenleben nach der Corona-Pandemie.

Am Donnerstag folgte eine kommunalpolitische Runde und eine Ordensverleihung an verdiente Bürgerinnen und Bürger. im Kapuziner. An beiden Veranstaltungen wird auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann teilnehmen.

Am Ende seines Besuchs sagte Steinmeier: "Es waren drei aufregende Tage in Rottweil. Grund genug wäre die Altstadt gewesen, aber dies war nicht der einzige Auswahlgrund. Ich bin neugierig geworden, weil dies eine Stadt ist, die mit großem Selbstbewusstsein steht für  die Verbindung von Tradition und Moderne." Die Narrenzunft gehöre hier ebenso dazu wie die Entscheidung für den TKE-Turm, für die Entwicklung modernster Fahrstühle der Zukunft oder für den Neubau der Justizvollzugsanstalt.  "All das sind keine einfachen Entscheidungen, sondern sie sind zustande gekommen weil es hier neue Verfahren der Bürgerbeteiligungen gab, die Entscheidungen nicht einfacher machen aber die  getroffene Entscheidungen auf Akzpetanz stoßen lassen in der Bevölkerung." Die Entscheidung, nach Rottweil zu kommen sei richtig gewesen: "Ich bedanke mich bei allen Bürgerinnen und Bürger für die Gastfreundschaft, die wir für diese drei Tage hier in Rottweil genießen durften."

Kommunalpolitischer Talk im Alten Rathaus (Foto: Graner Photodesign / Sebastian Glück) Am Donnerstag stieß Ministerpräsident zum kommunalpolitischen Talk im Alten Rathaus hinzu (Foto: Graner Photodesign / Sebastian Glück).

Das gesamte Besuchsprogramm finden Sie auf www.bundespräsident.de

Rottweil hat rund 25.000 Einwohner und ist Kreishauptstadt des gleichnamigen Landkreises. Überregional bekannt ist die Stadt für ihre traditionsreiche Fastnacht, den Rottweiler Hund und seit 2017 für den Testturm des Aufzugshersteller TK Elevator mit Deutschlands höchste Aussichtsplattform in 232 Metern Höhe. Die Stadt ist Sitz der Kreisverwaltung, eines Land- und Amtsgerichtes und der Kriminalpolizeidirektion des Präsidiums Konstanz. Weitere Informationen: www.rottweil.de.