Göllsdorfer Kurzchronik

Fliehburgen hier ansässiger Kelten werden im Bereich der Wälle und Gräben auf dem Dissenhorn und auf dem Staufenberg im Jungbrunnental vermutet.

Die Oberamtsbeschreibung von Rottweil aus dem Jahr 1875 berichtet von einem in den Maueräckern vermuteten Gutshof, dafür sprechen Spuren einer römischen Niederlassung. Die Besiedlung Göllsdorfs dürfte von Rottweil-Altstadt her erfolgt sein. Kirchliche Bindungen zum Urort Rottweil hatten über Jahrhunderte Bestand, war Göllsdorf doch sogenannte Filial-Gemeinde von St. Pelagius in Rottweil-Altstadt.

Erste schriftliche Erwähnung findet Göllsdorf in einer Stiftungsurkunde des Grafen Adalbert von Zollern, der unter anderem seine Güter in "Geroldistorf" auf das Kloster Alpirsbach übertrug. In einer um 1185 erstellten Urkunde bekräftigt Eberhard von Eberstein die Schenkung eines Gutes "Gelstorf" seines Vaters Berthold an das Frauenkloster Berau. Dieses Kloster unterstand einem St. Blasischen Propst und war bis etwa 1730 mit einem Hof und anderem Lehenseigentum in Göllsdorf reich begütert. Entgegen anderer Vermutungen gab es kein eigenes Nonnenkloster in Göllsdorf. Im Jahr 1280 tritt das Kloster St. Blasien als Eigentümer von Grundstücken in Göllsdorf in Erscheinung, um 1350 verzeichnet St. Blasien in "Gelstorf" zwei Höfe, später einen Fronhof und eine Reihe von kleineren Lehen als sein eigen.

Erstmals im Jahr 1301 werden in Göllsdorf auch Güter des Zisterzienser Klosters Rottenmünster urkundlich nachgewiesen, durch ständigen Zuerwerb stieg Rottenmünster bis Anfang des neunzehnten Jahrhunderts zum größten Lehensgrundherren in Göllsdorf auf.

Der ortsansässige Geschichtschronist Josef Vollmer berichtet in seiner Kurzhistorie im Heimatbuch "Göllsdorf in Bildern von einst", das 1987 herausgegeben wurde, von anhaltenden Auseinandersetzungen in den Jahren 1461 bis 1466 zwischen dem Kloster St. Blasien und der Reichsstsadt Rottweil. In diesem Zwist verkaufte das Kloster am Allerseelentag 1466 seine Besitzungen und Rechte in Göllsdorf um 500 rheinische Gulden an Rottweil. Die Herrschaft der Reichsstadt Rottweil dauerte danach bis ins Jahr 1802. Für Recht und Ordnung hatten Fleckenvogt, Untervogt und Dorfgericht zu sorgen.

Stark zu leiden hatte die Bevölkerung in Göllsdorf während des dreißigjährigen Krieges, die Nähe zur befestigten Reichsstadt hatte in den Jahren 1632/33 bei der Belagerung durch die feindlichen Württemberger und im Jahr 1643 bei einer erneuten Belagerung durch die Franzosen verheerende Konsequenzen, so konnte im Jahr der französischen Belagerung nicht einmal mehr die "Saatfrut" eingebracht werden. Rottweil versuchte durch Verzicht auf fällige Kontributionen, in seltenen Fällen durch Geldgaben und des öfteren durch die Bereitstellung von Bauholz, sogenannten "Sägbäumen" aus den städtischen Wäldern die größte Not zu lindern.

Die Selbstständigkeit erlangte Göllsdorf 1802, als die Landschaft Rottweil württembergisch wurde. Erster Schultheiß wurde der letzte Fleckenvogt Martin Bucher. Gemeinderat und Bürgerausschuss fällten die politischen Entscheidungen dieser Zeit.

Unter württembergischer Herrschaft entwickelte sich auch erstmals eine breitere Handwerkstradition, neben dem Beruf des Schneiders gab es nun auch einen Dorfschmied und andere selbständige Handwerker.

Eine stetige Aufwärtsentwicklung, nicht nur was die Einwohnerzahlen anbelangt, erlebte Göllsdorf im zurückliegenden zwanzigsten Jahrhundert; betrug die Einwohnerzahl im Jahr 1900 noch 710 so lag sie hundert Jahre später bei 1869, dies blieb nicht ohne Auswirkungen auf das ortsansässige Gewerbe, Göllsdorf erfreut sich eines funktionierenden Einzelhandels, mehrerer florierender Handwerksbetriebe und einem sehr beachtlichen Angebot an Dienstleistungen. Nur schwach vertreten ist in der Ortschaft, die seit 1972 zu Rottweil gehört, allerdings das produzierende Gewerbe. Die weit überwiegende Anzahl der Göllsdorfer Einwohnerschaft ist in Betrieben und Behörden des Umlandes, vorwiegend natürlich in Rottweil, beschäftigt.

Mit seinem bis heute erhaltenen dörflichen Charakter und den Natur- und Landschaftsschutzgebieten Linsenbergweiher und Jungbrunnental sowie dem die Ortschaft überragenden Dissenhorn hat Göllsdorf seinen Besuchern Sehenswertes zu bieten. Überregionale Bekanntheit verdankt Göllsdorf seiner im zweijährigen Turnus stattfindenden Saukirbe, die bei "Riabagoaschterumzug" und Kirbefestzug (s. Es liegt eine Spannung über allem) stets Besucher aus Nah und Fern in den Ort am Dissenhorn lockt.