OB Broß im Gespräch mit Neukircher Bürger

Themen: JVA, Neubaugebiet, B 27, Radwegebau

OB Bross in Neukirch
OB Ralf Broß und Ortsvorsteher Walter Keller informieren über das geplante Neubaugebiet an der Alten Straße.

Ortsvorsteher Walter Keller begrüßte Broß und seine Mitarbeiter vor dem Rathaus und begleitete den OB zusammen mit den Ortschaftsräten bei einer Runde durch den Ort. Bei der Bäckerei Hölle hat die Stadt einen provisorischen Gehweg abgesperrt, um vor allem Kinder besser vor parkenden Autos und LKW zu schützen. Dadurch stehen aber weniger Parkplätze für die Bäckerei zur Verfügung, die nun Einbußen befürchtet. „Das ist ein klassischer Zielkonflikt“, betonte Broß. „Wir müssen einerseits die Kinder besser schützen, wollen aber auch die Bäckerei für die Menschen im Ort erhalten.“ Broß nahm als Vorschlag mit, einen Streifen der vorhandenen Grüninsel, der der Breite des Gehweges entspricht zur Nutzung für den Parkverkehr zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Maßnahme könnte aus der Sicht der Geschäftsinhaberin der Zu- und Abfluss des Parkverkehrs wie bisher gewährleistet werden. Die bisher genutzte Parkfläche würde somit lediglich um die Breite des Gehweges parallel in Richtung der Grüninsel verschoben werden.

Gute Nachrichten hatte der OB in Sachen Bauland: Die Stadt wird an der Ecke Oberholzstraße/Alte Straße ein neues Baugebiet erschließen. Hier entstehen rund 7 Baugrundstücke auf 5500 Quadratmetern. Da ein Interessent vorhanden ist, sollen auch für den bisher noch freien Doppelhausplatz im Engelsburgweg die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine Bebauung mit einem Einfamilienhaus geschaffen werden. „Zusammen mit dem bereits im Flächennutzungsplan 2012 ausgewiesenen Baugebiet bei der Grundschule gibt es in Neukirch genügend Bauflächen für die Zukunft“, betonte Broß. Um den Spielplatz beim Kindergarten soll sich der Betriebshof wieder regelmäßiger kümmern, versprach der OB den anwesenden Bürgern. „Bitte teilen Sie der Ortschaftsverwaltung mit, wenn sich dort Müll ansammelt, damit wir rasch reagieren können.“

Beim Friedhof treten bei den Böschungsmauern zwischen den einzelnen Grabreihen wegen der Hanglage und dem Untergrund immer wieder Setzungen und Verschiebungen auf, die sich die Stadt insbesondere bei der Neubelegung von Grabfeldern nun näher anschauen wird. Auch die Wurzeln größerer Bäume, die in einzelne Gräber hineinwachsen sollen beobachtet werden. Hier hat sich der Ortschaftsrat allerdings bereits darauf festgelegt, dass man die Bäume nach Möglichkeit erhalten möchte. „Vielleicht kann man vereinzelt Wurzeln kappen, ohne die Bäume zu gefährden“, so der OB.

Ein weiteres Anliegen der Bürgerschaft: Gerne würde man die ehemalige „Effingers Mühle“ hinter der Kirche wieder auf Vordermann bringen und zu Lagerzwecken für die Vereine nutzen. Das Gebäude gehört jedoch der Kirche. Eine zwischenzeitliche Anfrage bei der Diözese hat jedoch ergeben, dass die Kirche das Gebäude nicht veräußern, sondern nur langfristig verpachten will. Vom Ortschaftsrat sollen, so Ortsvorsteher Keller in einem nächsten Schritt die Kosten für einen Sanierungsbedarf ermittelt und zusätzlich geklärt werden, in welchem Umfange sich ggf. die Kirchengemeinde an einer Sanierung beteiligt.

Nach dem Rundgang durchs Dorf fand der Besuch des OBs seine Fortsetzung im Bürgerhaus. Viel Zeit nahm sich der OB, um sein Vorgehen bei der JVA-Standortsuche zu begründen. „Ich stehe zu meiner Haltung: Wir brauchen die JVA in Rottweil.“ Er habe sich als OB in der Pflicht gesehen, den damals einzig möglich erscheinenden Baugrund, das „Bitzwäldle“, dem Land anzubieten. „Es geht darum, den Justizstandort Rottweil und damit viele Arbeitsplätze langfristig zu sichern.“ Bei einer künftigen Justizreform könne man davon ausgehen, dass Einrichtungen dort konzentriert werden, wo neue Infrastruktur entstanden ist. Dies zeige die aktuelle Polizeistrukturreform, wo Rottweil dank eines neuen Gebäudes und seiner verkehrsgünstigen Lage nun die Kriminalpolizeidirektion erhält. Broß sagte, dass eine JVA auch eine Chance für Neukirch wäre durch Zuzug von Arbeitskräften aus dem Justizwesen dem demographischen Wandel entgegenzuwirken.

Broß verwies aber auch auf den neuen Standortsuchlauf des Landes. Die Stadt hat den von der alten Landesregierung abgelehnten Standort „Stallberg“ erneut ins Rennen geschickt und dabei deutlich gemacht, dass man in Rottweil diesem Standort den Vorzug geben würde. Das Gelände sei technisch bebaubar, ist Broß überzeugt. Ob die neue Landesregierung das Restrisiko, auf Gips zu bauen allerdings anders einschätze als ihre Vorgängerin sei jedoch noch offen. Zudem seien auch zwei weitere Standorte von privater Seite vorgeschlagen worden, „Esch“ und „Hochwald“. Sollte für das Land ein anderer Standort auf Rottweiler Gemarkung als das „Bitzwäldle“ in Frage kommen, werde er sich dafür einsetzen, dass dieser realisiert werde, betonte Broß.

Ein weiteres wichtiges Thema war der lange von Neukircher Bürgern geforderte Radweg nach Vaihingerhof. Broß wies darauf hin, dass der Weg entlang der Kreisstraße vom Landkreis gebaut werden müsste. Die Stadt habe beim Kreis den Bedarf angemeldet. „Das Land fördert Radwege nun verstärkt und wird Mittel vom Autostraßenbau in den Radwegausbau umschichten, die Chancen steigen also“, betonte Broß. Er ermunterte die Bürger, ihr Anliegen auch gegenüber den Kreisräten als Entscheider direkt vorzubringen. Für den Radweg nach Schömberg hat die Stadt bereits wichtige Vorarbeiten geleistet. Der OB hofft, dass der Landkreis hier den Lückenschluss bald vollzieht.

Um die Belastungen auf der B27 abzumildern, hat die Stadt ihre Möglichkeiten weitgehend ausgeschöpft. Geprüft werden soll, ob die Grünphase der Fußgängerampel verlängert werden kann und die Gelbphase ausreichend ist. Eine innerörtliche Entlastung verspricht sich die Stadt zudem durch die direkte Anbindung des Gewerbegebiets „Eferen“ an die B 27. Hier hatte Broß noch eine gute Nachricht für die Bürger mitgebracht: Die Straße kommt noch dieses Jahr, Baustart ist bereits im August.

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