Geschichte der Ortschaft Neukirch

Das weithin sichtbare Dorf Neukirch liegt auf der Liashochebene zwischen den Bergen der Schwäbischen Alb und dem Schwarzwald. Die weitgedehnte Aussicht reicht vom Hohenzollern bis zum Feldberg und dem Kniebis. Die Vergangenheit Neukirchs lässt sich zurückverfolgen bis zum Jahre 1120. Der Ort liegt auf 700 m Meereshöhe an der B 27. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts gehörte Neukirch dem Kloster Rottenmünster. Das Kloster St. Blasien besaß schon 1137 die Ortskirche durch Schenkung seines Stiftes Gottfried von Bernau und verkaufte sie 1739, damals ganz neu erbaut, an das Rottenmünster. Diese Kirche stand bis zur Brandkatastrophe am 12.09.1992 in der 1737 gebauten Form und ist den Heiligen Petrus und Paulus geweiht.

Die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder. Nur durch massiven und gezielten Einsatz der verschiedenen Feuerwehren, konnte das Einstürzen des Turmes noch verhindert werden. Nun musste die Kirche wieder von Grund auf neu renoviert und eingerichtet werden. Sogar die Glocken im Turm wurden von dem Feuer so schwer beschädigt, dass man auch hier einen Ersatz brauchte.

Die Kirche wurde dann am 02.04.1995 von Bischof Walter Kasper feierlich eingeweiht. Voller Stolz feierte ganz Neukirch die Einweihung mit einem großen Gemeindefest. Endgültig wurde die neue Kirche am 21.03.1999 mit der Orgelweihe fertiggestellt. Das von der Feuerbrunst verschonte schmucke, zweistöckige Pfarrhaus wurde im Jahre 1687 erbaut. Über dem südseitigen Eingang ist das steinerne Klosterwappen des einstigen Bauherrn angebracht. Südwestlich vom Dorf liegt am Rande des Vollochbachwaldes in reizender Abgeschiedenheit die Wallfahrtskapelle Maria Thann; sie wurde im Jahre 1743 erbaut und verschiedentlich erweitert. Östlich vom Ort an der Straße nach Zepfenhan liegt die im Jahre 1682 erbaute Sebastianskapelle. Es ist wohl das älteste Gebäude in Neukirch. Die frühere Schule im Winkel mit Lehrerwohnung und Räumen für den Gemeinderat wurde 1839 erbaut. Heute befinden sich in dem Gebäude das Rathaus, ein Jugendraum, das ausgestattete Probelokal und ein Gemeinschaftsraum für die Musikkapelle. Am 09.11.1997 konnte die Feuerwehr aus Neukirch endlich, nach jahrelanger eigens geleisteter Arbeit in ihr neues Feuerwehrhaus einziehen. Die alte Pfarrscheuer wurde mit Hilfe sämtlicher Feuerwehrleute von Grund auf neu renoviert. In der Pfarrscheuer befindet sich unter anderem die Feuerwehrgarage, ein Feuerwehrmannschaftsraum und ein Raum für den Kirchengemeinderat.

Der zu Neukirch gehörende Weiler Vaihingerhof war ursprünglich ein eigenes allemanisches Dorf und ist urkundlich erstmals im Jahr 1262 als Vogingen genannt. Für eine Besiedlung vor dieser Zeit durch die Kelten zeugen das „Heidenstättle und eine im "Vaihinger Wald", befindliche Viereckschanze, deren Umrisse noch gut sichtbar sind. Von 1471 bis 1802 war das Kloster Rottenmünster Besitzer des gesamten Gutes. In diese Zeit fällt auch der Bau des großen Schafhauses. Am Balken über dem Tor der Hocheinfahrt ist die Jahreszahl 1776 eingeschlagen.
Die Tage des über 200 Jahren alten Schafhauses, in dessen Gebälk rund 800 lfm Stammholz verbaut wurden, wären wegen des desolaten Bauzustandes wohl bald gezählt gewesen.
Eine Unterschriftenaktion in den 70er Jahren und Privatinitiativen rüttelten die Öffentlichkeit wach, mit dem Ziel, dieses wertvolle Baudenkmal der Nachwelt zu erhalten. Hier war Eile geboten. Die zuständigen Verwaltungsbehörden suchten fieberhaft nach einem Betreiber, um die Millionenbeträge zu rechtfertigen, welche notwendig waren um das riesige Gebäude vor dem totalen Verfall zu retten. Dank dem Bemühen des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Regelmann, konnte das Denkmalamt Freiburg gewonnen werden, erhebliche Mittel bereitzustellen. Inzwischen wurde von seitens der Rottweiler Verwaltung mit der Arbeiterwohlfahrt verhandelt und dabei eine Lösung gefunden. Die AWO erklärte sich bereit den ehemaligen Schafstall in Erbbaupacht zu übernehmen und ihn zu einer behindertengerechten Jugendfreizeitstätte umzubauen. Dies war das Rettungssignal zum Erhalt des wertvollen Baudenkmals. Gut 3 Mio. DM dürfte die aufwendige Sanierung verschlungen haben (Anteil Stadt 800.000 DM). Im Jahre 2013 hat die AWO den Betrieb der Freizeitstätte eingestellt, nachdem sich wegen fehlender Nachfrage ein Betrieb nicht mehr rentierte. Im Jahre 2015 hat nun die von den Bewohnern des Vaihingerhofs gegündete Bürgergemeinschaft, das Gebäude mit dem Ziel erworben, das ortsprägende Denkmal langfristig zu erhalten und den noch nicht ausgebauten Teil ebenfalls nutzbar zu machen.
 
Ab 1802 wurde der Hof als Staatsdomäne vom Land Württemberg bewirtschaftet. Im Jahre 1831 übernahm die Gemeinde Neukirch die Gebäude mit den Feldgrundstücken zum Kaufpreis von 50.000 Gulden. Im Jahre 1888 wurde die Dreifaltigkeitskapelle am südlichen Ortseingang erbaut. Das geräumige Kirchlein mit 80 Sitzplätzen wurde damals mit Spenden von Ortsbewohnern und Almosen aus den umliegenden Gemeinden errichtet. Das im Dachreiter hängende Glöcklein stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist von der Gemeinde Bildechingen bei Horb.